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01Daten-Studie · Österreich 2026

IT-Vergaben-Monitor Österreich

Wer gewinnt Österreichs öffentliche IT-Aufträge — und wie viel Wettbewerb steckt wirklich dahinter? Wir haben 17.809 IT-Zuschläge der Jahre 2019 bis 2026 mit einem erfassten Volumen von 6,4 Mrd. € aus den offenen Vergabedaten ausgewertet. Das auffälligste Ergebnis betrifft nicht die Summen, sondern den fehlenden Wettbewerb.

75,9 %

der öffentlichen IT-Vergaben erhielten nur ein einziges Angebot

Datenbasis: offenevergaben.at Kerndaten · Dump-Stand 19. Juli 2026

17 809

Ausgewertete IT-Zuschläge

6,41 Mrd €

Erfasstes Auftragsvolumen

€ 95.720

Median-Auftragswert

75,9 %

Nur ein Angebot

02Kernbefunde

Der Wettbewerbsmangel in Zahlen

Drei Kennzahlen fassen den österreichischen IT-Beschaffungsmarkt zusammen: wie oft nur ein Bieter antrat, wie groß ein typischer Auftrag ist und welcher Anteil an kleine und mittlere Unternehmen ging.

Ein-Bieter-Quote

0,0%nur 1 Angebot
75,9% mit nur einem Angebot
24,1% mit mehreren Bietern

Verteilung der Auftragswerte

Die Hälfte aller IT-Aufträge liegt zwischen dem 25.- und dem 75.-Perzentil. Der Median markiert den typischen Auftrag — robuster als der von Großverträgen verzerrte Durchschnitt.

€ 60.632
25. Perzentil
€ 0
Median
€ 197.280
75. Perzentil

KMU-Anteil

0,0%an KMU

Anteil der Zuschläge an kleine und mittlere Unternehmen — trotz Konzentration bei einzelnen Großlieferanten.

Basis: 17 809 IT-Zuschläge (CPV 72*, 2019–2026), offenevergaben.at Kerndaten.

03Zeitreihe

Sieben Jahre IT-Beschaffung

Das Auftragsvolumen wächst, der Wettbewerb bleibt dünn: Über den gesamten Zeitraum lag die Ein-Bieter-Quote nie unter zwei Dritteln. Der jüngste Rückgang 2025/26 ist teils Meldeverzug — aktuelle Zuschläge tragen ihre Bieterzahl oft nach.

Zuschläge pro Jahr

Anzahl vergebener IT-Aufträge

856
2019
1 425
2020
1 833
2021
2 048
2022
2 218
2023
2 586
2024
2 313
2025
1 251
2026

Ein-Bieter-Quote pro Jahr

Anteil mit nur einem Angebot (%)

81,381,272,977,879,181,171,066,4
1920212223242526

Median-Auftragswert € 89.760 → € 106.633 · Basis: 14 530 datierte Zuschläge (Vertragsabschluss 2019–2026).

04Segmente

Wohin das Geld fließt

Die IT-Vergaben verteilen sich über die CPV-Unterklassen. Zwei Segmente dominieren nach Stückzahl: allgemeine IT-Dienste und Softwareentwicklung/Beratung.

Segment (CPV)ZuschlägeMedian
IT-Dienste allgemein9 191€ 98.370
Softwareentwicklung & IT-Beratung7 797€ 90.200
Datenverarbeitung & Datenbanken420€ 88.479
Internet-Dienste135€ 94.200
IT-Support & -Beratung127€ 101.478
Rechnerbezogene Dienste86€ 98.540

Auftragswerte nach Größenklasse

< 25k
1 913
25–50k
60
50–100k
6 031
100–250k
3 985
250k–1M
2 143
> 1M
743

Deutliche Häufung knapp über 50.000 € — der Schwelle, ab der eine förmliche Bekanntmachung üblich wird. Darunter erscheint kaum etwas im Datensatz.

Die eigentliche Website-Gestaltung (CPV 72413) ist eine Nische: nur 62 Zuschläge, Median € 94.200. Der Markt ist IT-Infrastruktur und Software, nicht Webdesign.

05Einordnung

Was die Zahlen bedeuten

Drei von vier Vergaben ohne echten Wettbewerb

Bei 75,9 % der ausgewerteten IT-Zuschläge lag am Ende nur ein einziges Angebot vor. Ein einzelner Bieter bedeutet nicht automatisch eine unsaubere Vergabe — oft sind Anforderungen so speziell, dass nur ein Anbieter passt. In der Breite und über sieben Jahre konstant ist eine Ein-Bieter-Quote in dieser Höhe aber ein deutliches Signal für strukturellen Wettbewerbsmangel: Preise werden kaum diszipliniert, der Marktzugang für neue Anbieter ist eng.

Ein Milliardenmarkt aus mittelgroßen Aufträgen

Das erfasste Zuschlagsvolumen 2019–2026 liegt bei 6,41 Mrd €. Der typische Auftrag ist dabei überschaubar: Median € 95.720, das mittlere Viertel zwischen € 60.632 und € 197.280. Weil einzelne Rahmenverträge dreistellige Millionenbeträge erreichen, berichten wir bewusst den Median statt des Durchschnitts.

Wenige Auftraggeber, konzentriertes Volumen

Die zehn größten Auftraggeber vereinen 53,8 % des gesamten Auftragsvolumens auf sich — allen voran Bundesnahe wie ÖBB, ASFINAG, das Bundesrechenzentrum und die Stadt Wien. Nach Stückzahl gewinnen zwar zu 77,9 % KMU, das Volumen aber ballt sich bei wenigen Großlieferanten.

06Marktstruktur

Wer kauft, wer liefert

Top-10-Auftraggeber = 53,8 % des Gesamtvolumens

Größte Auftraggeber (nach Volumen)

  1. 01ÖBB-Holding741 Mio €
    271 Zuschläge
  2. 02ASFINAG729 Mio €
    1 773 Zuschläge
  3. 03Stadt Wien529 Mio €
    318 Zuschläge
  4. 04Bundesrechenzentrum (BRZ)346 Mio €
    1 908 Zuschläge
  5. 05Netz Niederösterreich216 Mio €
    58 Zuschläge
  6. 06WKO Inhouse (WKO-IT)195 Mio €
    68 Zuschläge
  7. 07ÖBB-Infrastruktur192 Mio €
    957 Zuschläge
  8. 08ÖBB Business Competence Center175 Mio €
    1 813 Zuschläge

Häufigste Lieferanten (nach Zuschlägen)

  1. 01EBCONT698
    194 Mio €
  2. 02Tietoevry / Tieto Austria555
    148 Mio €
  3. 03SOFTCOM Consulting435
    82 Mio €
  4. 04Accenture399
    156 Mio €
  5. 05Atos IT Solutions387
    183 Mio €
  6. 06Programmierfabrik358
    59 Mio €
  7. 07ACP IT Solutions322
    73 Mio €
  8. 08TechTalk317
    73 Mio €

Auftraggeber nach Zuschlagsvolumen, Lieferanten nach Häufigkeit. Namens-Dubletten sind über Registernummer und Normalisierung zusammengeführt; Rahmenvereinbarungen mit mehreren Unternehmen zählen nicht als einzelner Lieferant.

07Methodik

Wie diese Studie entsteht

Transparenz ist Teil des Assets: Jede Kennzahl lässt sich auf die offene Quelle und eine explizite Basis zurückführen. Was wir bewusst nicht behaupten, steht ebenso hier.

01

Quelle & Filter

Kerndaten-Tagesdump von offenevergaben.at (Aufbereitung der data.gv.at-Vergabedaten). Ausgewertet: Zuschlagsbekanntmachungen (art = KD_8_2*) mit CPV 72* — 17 809 IT-Zuschläge 2019–2026.

02

Ein-Bieter-Quote (EU-Definition)

Anteil der Zuschläge mit genau einem eingegangenen Angebot, unter den 12 443 Zuschlägen mit ausgewiesener Bieterzahl. Analog zur Methodik des EU Single Market Scoreboards.

03

Median statt Durchschnitt

Auftragswerte sind stark rechtsschief. Median und Perzentile über 14 875 Zuschläge mit Wert > 0; Rahmenvereinbarungen mit mehreren Unternehmen (1 629×) werden nicht als einzelner Lieferant gezählt.

04

Grenzen

Kein Bundesland-Split: Das NUTS-Regionsfeld ist praktisch unbefüllt. Der Jahres-Trend nutzt das Vertragsabschluss-Datum; Müll-Jahre (0001/2030) sind gefiltert. Die KMU-Quote basiert auf dem befüllten KMU-Feld (Erfassung in frühen Jahren lückenhaft — daher kein KMU-Jahrestrend).

08Daten nutzen

Frei verwendbar — mit Quellenangabe

Die aggregierten Kennzahlen dieser Studie stehen zur freien Nutzung (CC BY 4.0). Redaktionen, Analystinnen und Analysten sowie Fachpublikationen dürfen die Zahlen zitieren und den Datensatz einbetten.

Aggregat-Datensatz

Alle Kennzahlen als CSV: Headline, Jahres-Zeitreihe (Median/p25/p75/Volumen/KMU), CPV-Segmente, Top-20 Auftraggeber und Lieferanten, Wert-Größenklassen.

Aggregat (CSV)

Roh-Datensatz

Ein Zuschlag pro Zeile: 17.809 IT-Vergaben mit Auftraggeber, Lieferant, Auftragswert, Jahr, CPV, Bieterzahl und KMU-Kennung. Für eigene Auswertungen.

Rohdaten (CSV, 2 MB)

Zitiervorschlag

Blck Alpaca (2026): IT-Vergaben-Monitor Österreich. Datenbasis: offenevergaben.at Kerndaten, Dump-Stand 19. Juli 2026.
https://blckalpaca.at/de/it-vergaben-monitor

Für Redaktionen

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Häufige Fragen zur Studie

Woher stammen die Daten?
Aus dem offenen Kerndaten-Dump von offenevergaben.at, der die österreichischen Vergabebekanntmachungen (data.gv.at) aufbereitet. Wir werten ausschließlich veröffentlichte Zuschlagsbekanntmachungen mit CPV-72-Kennung (IT-Dienstleistungen) aus.
Wie ist die Ein-Bieter-Quote definiert?
Als Anteil der Zuschläge mit genau einem eingegangenen Angebot, bezogen auf alle Zuschläge mit ausgewiesener Bieterzahl — die Methodik des EU Single Market Scoreboards. Mit 75,9 % über sieben Jahre ist der Wert strukturell, kein Ausreißer.
Geht es um alle IT-Aufträge oder nur um Websites?
Um alle IT-Dienstleistungen (CPV 72*): Softwareentwicklung, IT-Beratung, Betrieb, Datenverarbeitung. Reine Website-Gestaltung (CPV 72413) ist mit 62 Zuschlägen nur eine kleine Nische innerhalb des Marktes.
Bedeutet ein Bieter automatisch eine problematische Vergabe?
Nein. Hoch spezialisierte Anforderungen können legitim nur von einem Anbieter erfüllt werden. Erst die Häufung über tausende Vergaben und sieben Jahre macht den Wert aussagekräftig.
Warum kein Bundesland-Vergleich?
Das Regionsfeld (NUTS) ist in den Rohdaten praktisch unbefüllt. Eine seriöse regionale Aufschlüsselung wäre nur über ein Namens-Mapping der Auftraggeber möglich und bliebe eine Teilmenge — das weisen wir lieber nicht aus, als es zu schätzen.

Öffentliche Aufträge datenbasiert angehen

Wir bauen Monitoring- und Analyse-Pipelines für Vergabe-, Markt- und Wettbewerbsdaten — von der Rohquelle bis zum verwertbaren Dashboard.

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