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robots.txt und AI: EU-Rechtslage und TDM-Opt-out

Lucas Blochberger··Aktualisiert 20. April 2026
Definition

Das Hamburger Oberlandesgericht entschied am 10. Dezember 2025, dass natürlichsprachliche Opt-outs in Nutzungsbedingungen unzureichend sind — Opt-outs müssen maschinenlesbar erfolgen (robots.txt, TDM Reservation Protocol, ai.txt). Ein US-Gericht (Ziff Davis v. OpenAI) verglich robots.txt mit einem „Betreten verboten"-Schild ohne rechtliche Durchsetzungskraft.

Auf einen Blick

  • Hamburger OLG (Dez 2025): Opt-outs müssen maschinenlesbar sein
  • Natürlichsprachliche Opt-outs in AGB sind rechtlich unzureichend
  • EU Copyright Directive Art. 4: Kommerzielles TDM erlaubt, Opt-out möglich
  • EU AI Act Art. 53 (ab 2. Aug 2025): AI-Anbieter müssen Copyright-Compliance implementieren
  • US: Ziff Davis v. OpenAI — robots.txt hat keine rechtliche Durchsetzungskraft (DMCA)
  • Emerging Standards: llms.txt (AI-Sitemap) und ai.txt (TDM Art. 4 Opt-out)
  • GPAI Code of Practice fordert robots.txt-Befolgung per RFC 9309

Die Rechtslage für AI-Crawling hat sich 2025 dramatisch verschärft — insbesondere in der EU.

EU Copyright Directive

Artikel 3 und 4 bilden das rechtliche Rückgrat. Artikel 4 erlaubt kommerzielles Text- und Data-Mining, gestattet aber Rechteinhabern den Opt-out „in angemessener Weise, einschließlich maschinenlesbarer Mittel."

Hamburger OLG-Urteil

Das Hamburger Oberlandesgericht entschied am 10. Dezember 2025 (OLG Hamburg 5 U 104/24), dass natürlichsprachliche Opt-outs in Nutzungsbedingungen unzureichend sind. Opt-outs müssen maschinenlesbar erfolgen: robots.txt, TDM Reservation Protocol Header oder ai.txt-Metadaten.

EU AI Act

Artikel 53 (seit 2. August 2025 in Kraft) verpflichtet AI-Modellanbieter, Copyright-Compliance-Richtlinien zu implementieren und „state-of-the-art Technologien" zur Erkennung von Rechtsvorbehalten einzusetzen. Der GPAI Code of Practice (März 2025) fordert, dass Unterzeichner Crawler einsetzen, die robots.txt per RFC 9309 lesen und befolgen.

Implementierung

Minimale DACH-konforme Implementierung: robots.txt mit spezifischen AI-Bot-Regeln, TDM-Reservation: 1 HTTP-Header für gesperrte Inhalte, Dokumentation der maschinenlesbaren Opt-outs für rechtliche Nachweisbarkeit.

Daten & Statistiken

12,9% der AI-Bot-Requests ignorieren robots.txt (Q1 2025)

TollBit (2025)

US-Gericht: robots.txt hat keine „effective control" über Content-Zugang

Ziff Davis v. OpenAI (15. Dez 2025) (2025)

Gary Illyes, Google Search Analyst

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet das Hamburger OLG-Urteil für meine Website?
Opt-outs gegen AI-Scraping müssen maschinenlesbar sein: robots.txt Disallow-Regeln, TDM Reservation Protocol HTTP-Header (TDM-Reservation: 1), oder ai.txt-Metadaten. Ein Hinweis in den AGB reicht nicht aus.
Was ist ai.txt?
ai.txt (vorgeschlagen von Spawning) adressiert spezifisch die EU Copyright Directive Artikel 4 Opt-out-Anforderungen mit Element-Level-Granularität. Es ergänzt robots.txt um AI-spezifische Rechtserklärungen.