Zum Inhalt springen
Pillar 15

DORA für KI im Finanzsektor

Wie die DORA-Verordnung den Einsatz von AI Agents bei Finanzunternehmen reguliert: IKT-Risiko, Resilienz und Drittanbieter.

Für: Finanzunternehmen, Risikomanager, Compliance-Verantwortliche

Definition

DORA (Digital Operational Resilience Act, VO (EU) 2022/2554) ist die seit 17. Januar 2025 anwendbare EU-Verordnung, die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor regelt und einen einheitlichen Rahmen für IKT-Risikomanagement, Resilienztests, Vorfallsmeldung und IKT-Drittparteienrisiko schafft. Für KI im Finanzsektor ist DORA zentral, weil KI-Systeme nach der BaFin-Orientierungshilfe vom 18. Dezember 2025 als Unterfall der „Netzwerk- und Informationssysteme" gemäß Art. 3 Nr. 2 DORA gelten und damit den vollständigen DORA-Pflichtenkanon in die KI-Governance hineinziehen. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

Auf einen Blick

  • ✓DORA (VO (EU) 2022/2554) ist seit 17. Januar 2025 anwendbar und adressiert digitale operationale Resilienz von Banken, Versicherern und weiteren Finanzunternehmen in der EU.
  • ✓Die BaFin-Orientierungshilfe vom 18. Dezember 2025 verankert KI-Systeme als „Netzwerk- und Informationssysteme" nach Art. 3 Nr. 2 DORA und zieht damit Art. 5-16 (IKT-Risikomanagement), Art. 17-23 (Vorfallsmeldung), Art. 24-27 (Resilienztests inkl. TLPT) und Art. 28-30 (IKT-Drittparteienrisiko der Finanzunternehmen) in die KI-Governance hinein.
  • ✓Die ESAs haben am 18. November 2025 erstmals 19 kritische IKT-Drittdienstleister (CTPPs) designiert, darunter AWS, Microsoft, Google Cloud, Oracle, IBM, SAP, Deutsche Telekom, Equinix und Bloomberg; sie unterliegen damit der direkten Überwachung durch EBA, EIOPA oder ESMA.
  • ✓Für AI-Agent-Workloads auf Hyperscalern entsteht damit ein Konzentrationsrisiko. Für IKT-Dienste, die kritische oder wichtige Funktionen unterstützen, verlangt DORA ausreichend getestete und regelmäßig überprüfte Exit-Pläne (Art. 28 Abs. 8) und eine Bewertung des Konzentrationsrisikos vor Vertragsschluss (Art. 29). Eine Multi-Cloud-Pflicht enthält die Verordnung nicht.
  • ✓In den ersten drei Quartalen 2025 wurden der BaFin 525 schwerwiegende IKT-Vorfälle gemeldet, rund 70% davon von Kreditinstituten, ein Indikator für die Relevanz der DORA-Vorfallsmeldepflichten.
  • ✓Eine FINMA-Umfrage vom April 2025 unter rund 400 Instituten ergab: etwa 50% der Schweizer Banken/Versicherer setzen bereits KI ein oder entwickeln Anwendungen, 91% der KI-nutzenden Institute setzen generative KI ein.
  • ✓DORA Art. 30 schreibt einen Vertragsklauselkanon vor (Audit-Rechte, Exit-Klauseln, Sub-Processor-Kontrollen, SLAs mit Leistungszielen und Angabe der Verarbeitungsorte), der bei AI-Startups häufig zum Procurement-Blocker wird.
  • ✓Die DACH-Aufsichten laufen auseinander: BaFin orientiert sich eng am DORA-Lifecycle, die FINMA-Aufsichtsmitteilung 08/2024 fokussiert auf Governance-Prinzipien, und die österreichische FMA hat (Stand Mai 2026) noch keine formelle sektorale AI-Leitlinie veröffentlicht.

Was ist DORA, und warum betrifft sie KI im Finanzsektor?

Der Digital Operational Resilience Act, kurz DORA, formell die Verordnung (EU) 2022/2554, ist seit dem 17. Januar 2025 unmittelbar anwendbar und schafft erstmals einen EU-weit einheitlichen Rahmen für die digitale operationale Resilienz des Finanzsektors. Die Verordnung gilt nach Art. 2 DORA für 20 Kategorien von Finanzunternehmen, von Kreditinstituten und Versicherern über Wertpapierfirmen und Zahlungsinstitute bis zu Anbietern von Kryptowerte-Dienstleistungen. DORA bündelt fünf Säulen, die zuvor über verschiedene Aufsichtsanforderungen verstreut waren: IKT-Risikomanagement (Art. 5-16), Meldung schwerwiegender IKT-Vorfälle (Art. 17-23), Testen der digitalen operationalen Resilienz inklusive Threat-Led Penetration Testing (TLPT, Art. 24-27), das Management des IKT-Drittparteienrisikos samt Überwachung kritischer Anbieter (Art. 28-44) sowie den Informationsaustausch (Art. 45). Der Informationsaustausch ist freiwillig. Für KI-Systeme zählen vor allem die ersten vier Säulen.

Der entscheidende Hebel für KI: Die BaFin-Orientierungshilfe zu IKT-Risiken beim Einsatz von KI in Finanzunternehmen vom 18. Dezember 2025 verankert KI-Systeme ausdrücklich als Unterfall der „Netzwerk- und Informationssysteme" gemäß Art. 3 Nr. 2 DORA. Damit gilt der vollständige DORA-Pflichtenkanon auch für KI- und AI-Agent-Workloads, von der Datenbeschaffung über Modellentwicklung und Deployment bis zum laufenden Betrieb mit Drift-Monitoring und der Stilllegung. Wer einen AI-Agenten in einer Bank oder Versicherung produktiv setzt, baut also ein reguliertes IKT-System mit allen Resilienz-, Test- und Drittparteien-Pflichten.

Die vier verpflichtenden DORA-Säulen im Kontext von AI-Agents

IKT-Risikomanagement (Art. 5-16). KI-Systeme müssen in das institutsweite IKT-Risikomanagement integriert werden. Die BaFin-Orientierungshilfe formuliert den Lebenszyklus-Ansatz als Aufsichtserwartung: Datenbeschaffung → Modellentwicklung → Deployment → laufender Betrieb mit Drift-Monitoring → Stilllegung. Ausdrücklich erwartet werden Adversarial Training und die Überwachung von Modelldrift. Die Orientierungshilfe ist formal unverbindlich, kehrt in der Aufsichtspraxis jedoch materiell die Beweislast um: Wer ihr nicht folgt, muss bei BaFin-Prüfungen die Gleichwertigkeit alternativer Maßnahmen dokumentieren.

Resilienztests (Art. 24-27). AI-gestützte Systeme fallen unter die Pflicht zum regelmäßigen Testen der digitalen operationalen Resilienz, bis hin zu Threat-Led Penetration Testing (TLPT) für bedeutende Institute. Für stochastische, LLM-basierte Agenten ist das methodisch anspruchsvoll, weil klassische Testverfahren auf deterministische Systeme zugeschnitten sind.

Vorfallsmeldung (Art. 17-23). Vendor-spezifische KI-Risiken wie halluzinierte regulatorische Zitate, halluzinierte Kundenportfoliodaten oder Modelldrift in produktiven Scoring-Systemen gelten im BFSI-Kontext als materielle operationelle Risiken. Meldepflichtig sind sie aber nur, wenn sie als IKT-bezogener Vorfall die Kriterien des Art. 18 DORA erfüllen und damit als schwerwiegend gelten (Art. 19 DORA). Die Größenordnung ist erheblich: In den ersten drei Quartalen 2025 wurden der BaFin 525 schwerwiegende IKT-Vorfälle gemeldet, rund 70% davon von Kreditinstituten.

IKT-Drittparteienrisiko (Art. 28-44). Dies ist für KI der schärfste Hebel, und Gegenstand des nächsten Abschnitts.

IKT-Drittparteienrisiko und die CTPP-Designation

KI im Finanzsektor läuft heute fast immer auf externer Infrastruktur: Hyperscaler-Clouds, externe Modell- und LLM-Anbieter oder Verbund-Rechenzentren. Genau hier setzt DORA an: Art. 28-30 regeln, wie Finanzunternehmen ihr IKT-Drittparteienrisiko steuern, Art. 31-44 die direkte Überwachung kritischer Anbieter. Am 18. November 2025 haben die Europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) erstmals 19 kritische IKT-Drittdienstleister (Critical ICT Third-Party Providers, CTPPs) designiert, laut Liste der ESAs darunter AWS, Microsoft, Google Cloud, Oracle, IBM, SAP, Deutsche Telekom, Equinix und Bloomberg. Für jeden dieser Anbieter ist eine der drei Behörden federführend (Lead Overseer: EBA, EIOPA oder ESMA). Sie kann Informationen anfordern, Untersuchungen und Inspektionen durchführen und Empfehlungen aussprechen (Art. 35 DORA). Bindend sind diese Empfehlungen nicht: Der Anbieter muss binnen 60 Kalendertagen mitteilen, ob er ihnen folgt, oder begründen, warum nicht (Art. 42 Abs. 1 DORA). Meldet er sich nicht fristgerecht oder hält der Lead Overseer die Begründung für unzureichend, macht der Lead Overseer das öffentlich (Art. 42 Abs. 2 DORA). Die zuständigen Behörden können Finanzunternehmen als letztes Mittel verpflichten, die Nutzung des Dienstes vorübergehend auszusetzen und, wo nötig, den Vertrag zu kündigen (Art. 42 Abs. 6 DORA).

Für Banken und Versicherer auf der Deployer-Seite hat das konkrete Folgen:

  • Exit-Pläne für kritische oder wichtige Funktionen sind ausreichend zu testen und regelmäßig zu überprüfen, nicht nur zu dokumentieren (Art. 28 Abs. 8 DORA).
  • Konzentrationsrisiken sind vor Vertragsschluss zu bewerten (Art. 29 DORA, für kritische oder wichtige Funktionen); Multi-Cloud- und exitfähige Architekturen gewinnen dadurch an Gewicht.
  • AI-Agent-Workloads auf Hyperscalern bleiben unter zusätzlicher aufsichtlicher Beobachtung.

Das Konzentrationsrisiko ist im DACH-Raum besonders sichtbar: Nahezu jede Bank ist für AI-Workloads entweder auf einen der designierten Hyperscaler oder auf Verbundlösungen angewiesen. In Deutschland betreiben die Finanz Informatik (FI) für die Sparkassen und die Atruvia AG für die Volks- und Raiffeisenbanken bewusst on-premise und souveräne KI-Stacks (u. a. Open-Source-Modelle wie Mixtral/Llama in eigenen Rechenzentren). Der S-KIPilot der FI wurde 2025 in Version 6 auf rund 60.000 Sparkassen-Arbeitsplätze ausgerollt. Diese Verbund-Strukturen werden durch die DORA-CTPP-Logik strukturell gestärkt, solange Designation und BaFin-Orientierungshilfe in ihrer aktuellen Schärfe Bestand haben.

DORA Art. 30: Der Vertragsklauselkanon als Procurement-Filter

DORA Art. 30 schreibt verbindliche Vertragsinhalte für IKT-Drittparteien vor und macht damit die Vendor-Auswahl für KI zum harten Compliance-Tor. Verpflichtend sind unter anderem Audit-Rechte, Exit-Klauseln, Sub-Processor-Kontrollen, Leistungsbeschreibungen mit quantitativen und qualitativen Leistungszielen sowie die Angabe der Orte, an denen Daten verarbeitet werden (Art. 30 Abs. 2 lit. b, Abs. 3 lit. a DORA). Audit-Rechte, Exit-Strategien und genaue Leistungsziele verlangt Art. 30 Abs. 3 für IKT-Dienste, die kritische oder wichtige Funktionen unterstützen. Bei etablierten Hyperscalern gehören diese Klauseln heute zum Standardtext; bei jungen AI-Startups sind sie ein häufiger Procurement-Blocker.

DORA Art. 30 steht dabei nicht allein. In KI-Ausschreibungen von Banken und Versicherern kommen weitere Prüfmaßstäbe hinzu:

Werkzeug

Herkunft / Stand

Funktion im KI-Procurement

DORA Art. 30 Vertragsklauselkanon

VO (EU) 2022/2554, anwendbar seit 17.01.2025

Verpflichtende Audit-Rechte, Exit-Klauseln, Sub-Processor-Kontrollen, SLAs

BSI Test Criteria Catalogue Finance

BSI, Juni 2025 / v2.0 Juni 2026; 10 Themenbereiche, knapp 100 Kriterien

Prüfkriterien für KI-Systeme im Finanzsektor, als Vendor-Filter nutzbar

BSI AIC4

etabliert, freiwillig

Implizite Mindesterwartung an externe AI-/LLM-Cloud-Anbieter

Der BSI Test Criteria Catalogue for AI Systems in Finance (vorläufige Version Juni 2025, vollständige Version 2.0 Juni 2026) umfasst knapp 100 Prüfkriterien in zehn Themenbereichen, darunter Sicherheit und Robustheit, Transparenz, Fairness, Datenqualität und Governance. Nachweise nach BSI AIC4, ISO 42001, SOC 2 oder ISO 27001 verbessern erfahrungsgemäß die Chancen von AI-Anbietern in BFSI-Ausschreibungen.

DORA-Pflichten für AI-Agents in Banken und Versicherungen

Sechs Risikobereiche sind für AI-Agents im Finanzsektor sektorspezifisch und über DORA hinaus zu beachten, sie tauchen in horizontaler KI-Compliance nur am Rand auf:

  1. Modellrisikomanagement. MaRisk AT 4.3.5 ist seit den Novellen 2023/2024 explizit auch auf KI-/ML-Modelle anwendbar und verlangt Lebenszyklus-Dokumentation, unabhängige Validierung, Backtesting und periodische Überprüfung. Die BaFin-Orientierungshilfe erwartet zusätzlich Adversarial-Training-Dokumentation und Modelldrift-Monitoring.
  2. Erklärbarkeit bei Kreditentscheidungen. Nach Art. 22 DSGVO dürfen Kreditentscheidungen mit Rechtswirkung nur ausnahmsweise ausschließlich automatisiert fallen; dann haben Betroffene Anspruch darauf, dass eine Person eingreift, sie ihren Standpunkt darlegen und die Entscheidung anfechten können (Art. 22 Abs. 3 DSGVO). Hinzu kommt die Einstufung von Kreditscoring als Hochrisiko-KI nach AI Act Anhang III Nr. 5 lit. b, deren Pflichten nach dem Digital Omnibus ab 2. Dezember 2027 gelten. In Deutschland verlangen § 505a und § 505b BGB vor Verbraucherdarlehen zudem eine Kreditwürdigkeitsprüfung. Zusammen laufen DSGVO und AI Act darauf hinaus, dass eine zuständige Person die treibenden Faktoren benennen können muss. End-to-End-LLM-Kreditscoring ist damit praktisch ausgeschlossen; KI bleibt in Triage- und Erklärungsrollen.
  3. Audit-Trail-Vollständigkeit. Für aufsichtsrechtliche Sonderprüfungen (BaFin-Sonderprüfung, FINMA-Vor-Ort-Kontrolle, OeNB-Prüfung) muss jede Inference revisionssicher protokolliert sein, inklusive Prompt, Kontext, Retrieval-Quellen, Modellversion und Output.
  4. Latenzanforderungen. Trading-Compliance erfordert <10 ms, Fraud-Detection <1 s. LLM-Agenten im Hot Path sind selten machbar.
  5. Datenresidenz. In DE und AT betonen Aufsichten zunehmend EU- bzw. nationale Residenz für KI-Trainings- und Inferenzdaten; in der Schweiz verlangt das Bankgeheimnis (Art. 47 BankG) praktisch CH-Datenhaltung für Kundendaten.
  6. Konzentrationsrisiko durch die CTPP-Designation (siehe oben).

In der Folge sind 2026 vollautonome Kreditentscheidungen und vollautonome Multi-Agent-Trading-Workflows nicht im Produktivbetrieb. Standard sind dagegen Customer-Service-Agenten Tier 1, Fraud-Detection, AML/KYC-Triage und regulatorisches Reporting, durchweg mit Human-in-the-Loop, wo Entscheidungen rechtliche Wirkung entfalten.

DACH-Bezug: Drei Tracks statt einer Linie

DORA prägt Deutschland und Österreich als EU-Acquis direkt; die Schweiz übernimmt sektoral autonom. Das führt zu einer Drei-Track-Compliance, die DACH-übergreifend tätige Institute beachten müssen:

Land

Maßgebliche Quelle (Stand Mai 2026)

Charakter

Deutschland

BaFin-Orientierungshilfe vom 18.12.2025

Eng am DORA-Lifecycle orientiert; verankert KI als IKT-System nach Art. 3 Nr. 2 DORA

Schweiz

FINMA-Aufsichtsmitteilung 08/2024 vom 18.12.2024

Governance-Prinzipien und vier Risikoklassen; technologie- und prinzipienbasiert, keine flächendeckende AI-Sondergesetzgebung

Österreich

keine formelle sektorale AI-Leitlinie

FMA/OeNB haben in den Aufsichtsschwerpunkten 2026 angekündigt, ihren Ansatz „zu entwickeln und zu kommunizieren"; Institute lehnen sich faktisch an BaFin/EBA an

Eine FINMA-Umfrage vom April 2025 unter rund 400 Instituten zeigt das Adoptionsniveau: etwa 50% der Schweizer Banken und Versicherer setzen bereits KI ein oder entwickeln Anwendungen, weitere 25% planen den Einsatz binnen drei Jahren; im Schnitt sind rund 5 Anwendungen produktiv und rund 9 in Entwicklung. 91% der KI-nutzenden Institute setzen generative KI ein. Die FINMA-Aufsichtsmitteilung präzedierte die BaFin-Orientierungshilfe um genau zwölf Monate, ist mit ihr aber nicht voll deckungsgleich, die FINMA verlangt etwa zentrale KI-Inventare mit Risikoklassifizierung und Fallback-Lösungen.

Die österreichische Regulierungslücke ist ambivalent: Sie schafft Spielraum, erhöht aber die Unsicherheit bei Vor-Ort-Kontrollen, weil Erwartungen nicht ex ante kodifiziert sind. Eine zentrale KI-Servicestelle wurde 2024 bei der RTR-GmbH eingerichtet, zur Beratung, nicht zur sektoralen Aufsicht.

Ausblick und Praxis-Hinweis

Die regulatorischen Goalposts bewegen sich: Zu beobachten bleiben weitere Versionen der BaFin-Orientierungshilfe und ihre Auslegung in Sonderprüfungen, mögliche Konkretisierungen der FINMA über AM 08/2024 hinaus und eine erwartete formelle AI-Leitlinie der FMA Österreich. Offen ist auch, ob die ersten Empfehlungen der Lead Overseers an die CTPPs DACH-Institute tatsächlich zu echtem Multi-Cloud bewegen oder ob es bei symbolischen Exit-Plänen bleibt.

Für die Praxis gilt: Wer 2026 KI im Finanzsektor produktiv setzt, sollte die BaFin-Orientierungshilfe als interne Norm behandeln (auch dort, wo die FMA noch keine eigene Leitlinie hat), den DORA-Vorfallsmeldekanal und TLPT operationalisieren, den BSI Test Criteria Catalogue Finance als Vendor-Filter nutzen und KI von Beginn an als IKT-System mit vollem Lebenszyklus-Management denken. Der Compliance-Anteil macht in regulierten DACH-Branchen erfahrungsgemäß 30-50% des Implementierungsaufwands aus, das ist Risiko und Wettbewerbsvorteil zugleich.

Zur Information, keine Rechtsberatung. Stand der zugrunde liegenden Quellen: Mai 2026, einzelne Angaben aktualisiert im Oktober 2026; provisorische Fristen und angekündigte Leitlinien sind als beweglich zu betrachten.

Alle Artikel in diesem Topic

4 Artikel
7.40

DORA IKT-Drittparteienrisiko: Wann KI-Anbieter als kritische IKT-Dienstleister gelten

Das DORA IKT-Drittparteienrisiko bezeichnet die Pflicht von Finanzunternehmen, Risiken aus ausgelagerten IKT-Diensten zu steuern. Nach der Verordnung (EU) 2022/2554 (DORA, anwendbar seit 17. Januar 2025) können KI- und LLM-Anbieter als IKT-Drittdienstleister erfasst sein. Das nutzende Finanzunternehmen muss sie dann nach den Artikeln 28 bis 30 steuern.

Fortgeschritten·7 min
7.41

DORA-Pflichten für KI-Anbieter, die Finanzunternehmen beliefern

DORA-Pflichten für KI-Anbieter sind die regulatorischen Anforderungen aus der EU-Verordnung 2022/2554, die über Finanzunternehmen vertraglich auf KI-Lieferanten durchschlagen. Wer Banken, Versicherer oder Zahlungsdienstleister mit KI-Systemen beliefert, gilt als IKT-Drittdienstleister und muss Audit-Rechte, Incident-Reporting-Beiträge, Exit-Klauseln und Sub-Outsourcing-Kontrollen erfüllen.

Fortgeschritten·7 min
7.42

DORA-konforme Verträge mit IT-Dienstleistern (Art. 28 ff.)

DORA-Vertragsgestaltung bezeichnet die Pflicht von Finanzunternehmen, Verträge mit IT- und KI-Dienstleistern nach Art. 28 ff. der Verordnung (EU) 2022/2554 (DORA) mit verbindlichen Klauseln auszustatten: Leistungsbeschreibung, Datenstandorte, Audit-Rechte, Exit/Kündigung, Regeln zum Sub-Outsourcing, Vorfallsmeldung und Service-Level. DORA ist seit 17. Januar 2025 anwendbar.

Fortgeschritten·7 min
7.43

DORA-Resilienztests: TLPT (Threat-Led Penetration Testing) für KI-Systeme im Finanzsektor

DORA TLPT (Threat-Led Penetration Testing) ist ein bedrohungsgeführter, an TIBER-EU angelehnter Resilienztest, den DORA in Art. 24-27 für von der Aufsicht bestimmte bedeutende Finanzunternehmen vorschreibt, mindestens alle drei Jahre. Realistische Angreiferszenarien werden gegen Produktivsysteme gefahren; KI-Systeme zählen dabei als Teil der Netzwerk- und Informationssysteme.

Experte·7 min